6. August 2026

Berliner FediDay im September, Social-Media und öffentliche Stellen, Werbebudgets, Open Social Web Alliance, digitale (Un)abhängigkeit von Anwalts-Kanzleien

Die News in dieser Ausgabe dürften besonders Kommunikationsverantwortliche in öffentlichen Stellen, Unternehmen und Stiftungen interessieren. Aus Baden-Württemberg kommen neue Social-Media-Handlungsrahmen für öffentliche Stellen, Unternehmen dürfen kritisch ihre Werbebudgets prüfen, die neu gegründete Open Social Web Alliance gibt uns einen Arbeitsstand, niederländische Behörden fordern mehr digitale Autonomie, Markus Beckedahl erinnert Anwalts-Kanzleien an ihre digitalen Abhängigkeiten und der Post der Woche kommt von der VolkswagenStiftung. Ganz wichtig ist natürlich: Trefft uns auf dem Berliner FediDay vom 11. bis 13. September!

Neue KING CONSULT-Website

Serviceorientiert und Bildstark

Wir sind auf dem Berliner FediDay (11. – 13. September): Programm, Tickets und Infos

Für den Berliner FediDay ist jetzt eine erste Version des Programms online. Der FediDay ist ein Netzwerk-Event mit Vorträgen, Workshops und Networking-Gelegenheiten zum Thema offene und dezentrale Kommunikation im Fediverse. Es geht um produktiven Austausch zwischen Entwickler:innen, Administrator:innen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Content-Creators. Auch KING CONSULT ist mit 3 Inputs aktiv im Programm vertreten. Das Programm, Tickets und alle weiteren Infos gibt es auf der Website und natürlich im Fediverse: @berlinfediday@berlin.social.

Social-Media-Handlungsrahmen für öffentliche Stellen

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz (LfDI Rheinland-Pfalz) hat seinen Handlungsrahmen für öffentliche Stellen aktualisiert. Der Handlungsrahmen „stellt klar, welche Vorgaben öffentliche Stellen zu beachten haben, wenn sie Social Media-Angebote nutzen möchten.“ Dazu gehören diese Aspekte:

  • Die Kommunikation mit Bürger:innen gehört zu Aufgabenerfüllung öffentlicher Stellen
  • Der LfDI Rheinland-Pfalz sieht öffentliche Stellen in einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion.
  • Öffentliche Stellen tragen bei der Nutzung sozialer Medien Mit-Verantwortlichkeit für Datenschutz.
  • Behörden und öffentliche Stellen benötigen ein Nutzungskonzept für soziale Medien.
  • Der LfDI betont das Cross-Media-Gebot. Gemeint ist die Bereitstellung alternativer Informations- und Kommunikationswege

Wir sehen viele Berührungspunkte mit den Möglichkeiten und Vorteilen von dezentralen, offenen Kommunikationsnetzwerken wie dem Fediverse und der ATmosphere und bieten hierzu beratende und praktische Unterstützung an. Bei Interesse, melden Sie sich gerne bei uns!

 

Strukturproblem der Wirtschaft: Kontrollverlust über die digitale Infrastruktur

Stefan Mölling, CEO des Audiovermarkters RMS, liefert in einem Gastkommentar im Handelsblatt [€] einen seltenen aber umso wertvolleren Blick auf soziale Medien sowie Kosten und Nutzen von Werbebudgets. Mölling schreibt: „Das größte Strukturproblem der deutschen & europäischen Wirtschaft ist (…) der Kontrollverlust über die digitale Infrastruktur“. Zu Werbebudgets: „Nahezu jeder zweite Werbe-Euro landet in Systemen, die ihre eigene Leistung definieren. Wer die Messung kontrolliert, kontrolliert das Ergebnis (…) und gewinnt das Budget.“

Unsere Perspektive: Pauschale Aussagen sind, wie immer schwierig, aber wir sehen für eine wachsende Anzahl von öffentlichen Einrichtungen, Stiftungen und auch Unternehmen zunehmend interessante Möglichkeiten in offenen, dezentralen Kommunikationsnetzwerken, in denen nicht eine vermeintlich große Reichweite entscheidend ist, sondern hohe Interaktionsraten, qualitative Kommunikation und souveränes Community-Building.

Neu: Open Social Web Alliance: smarte Investitionen und politischer Weitsicht für offene Kommunikations-Netzwerke

Die neu gegründete Open Social Web Alliance (OSWA) präsentiert einen ambitionierten Fahrplan für eine dezentrale, gemeinwohlorientierte Infrastruktur für digitale Kommunikation. Ein umfangreiches und detailliertes Policy Paper (PDF) zeigt, wie der finanzielle, organisatorische, politische und organisatorische Weg dahin aussehen kann. Das Ziel sind soziale Medien, die den demokratischen Diskurs stärken, resilient und attraktiv sind. OSWA -Mitinitiatorin Cathleen Berger über den Stand der Dinge:

„Aktuell laufen viele Gespräche mit Menschen, die sich interessiert oder mit Fragen zurückgemeldet haben. Unser Ziel ist es, eine möglichst breite Unterstützendenbasis zu aktivieren, um im Herbst mit neuer Energie und mehr Schwung sichtbare Fortschritte zu erzielen.“

 

Niederländische Behörden fordern mehr digitale Autonomie

Die niederländischen Behörden für Verbraucher und Märkte, Finanzmärkte, Datenschutz, digitale Infrastruktur und die »De Nederlandsche Bank« fordern Unternehmen und Regierungen auf (NL), den Übergang zu mehr digitaler Autonomie zu beschleunigen. In dem Bericht Der Weg in die digitale Autonomie (PDF) empfehlen die Behörden unter anderem:

  • Regierungen: Nachfrage nach neuen europäischen digitalen Diensten bündeln und als Kunden fungieren
  • Regierungen und Unternehmen: Berücksichtigung von Kriterien der digitalen Autonomie beim Kauf von IT-Diensten
  • Unternehmen: branchenübergreifende Zusammenarbeit und Schaffung von Angeboten für autonome IT‑Dienste
  • IT‑Anbieter: Zusammenarbeit für europäische Alternativen zusammenarbeiten, die zu mehr Wahlfreiheit und digitaler Resilienz beitragen.

 

Beckedahl über digitale (Un)abhängigkeit von Anwalts-Kanzleien

Markus Beckedahl hat auf der Eröffnung des Deutschen Anwaltstags in einer sehr lesenswerten Rede erläutert, warum die Anwaltschaft als Vierte Gewalt ihre digitale Infrastruktur kontrollieren muss — oder ihre Unabhängigkeit verliert: „Wenn Ihre Kanzlei in einer US-Cloud arbeitet …, liegt Ihre Mandatskommunikation auf einer Infrastruktur, auf die US-Behörden zugreifen können. Das Mandatsgeheimnis ist keine Komfortfrage, es ist Ihre Berufspflicht.“
Zu sozialen Medien sagt Beckedahl: „Offene Protokolle, wie bei Fediverse … Mastodon … Eurosky, machen Plattformen interoperabel – kein einzelner Milliardär bestimmt mehr, was zu sehen ist.“

 

Post der Woche: VolkswagenStiftung

Die VolkswagenStiftung kommuniziert seit Mai im Fediverse und hat einen Account auf der Mastodon-Plattform stiftungen.social, die auf der 2MR Konferenz für demokratiestärkende soziale Medien vorgestellt wurde (Video ansehen). Jetzt postet die VolkswagenStiftung:

„🐘 Drei Monate auf Mastodon – toll, Teil dieser Community zu sein!
Was wir gelernt haben: Soziale Netzwerke funktionieren auch mit weniger Algorithmus. Und: Hier geht’s weniger ums Senden und viel mehr ums Vernetzen.💬
Danke an alle, die uns in den vergangenen Wochen begleitet haben, für spannende Fragen, freundliche Begegnungen und neue Perspektiven. Wir bleiben dran und freuen uns auf alles, was noch kommt.🚀“

Das freut uns sehr – weiter so!

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